<?xml version="1.0" encoding="utf-8" standalone="yes"?><rss version="2.0" xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"><channel><title>Neuigkeiten | Protect Lab</title><link>https://www.protectlab.org/post/</link><atom:link href="https://www.protectlab.org/post/index.xml" rel="self" type="application/rss+xml"/><description>Neuigkeiten</description><generator>Wowchemy (https://wowchemy.com)</generator><language>de</language><copyright>© Protect Lab 2024</copyright><image><url>https://www.protectlab.org/media/logo.svg</url><title>Neuigkeiten</title><link>https://www.protectlab.org/post/</link></image><item><title>Von Meta-Analysen zu "Meta-Analytic Research Domains"</title><link>https://www.protectlab.org/post/metapsy/</link><pubDate>Tue, 07 Sep 2021 00:00:00 +0000</pubDate><guid>https://www.protectlab.org/post/metapsy/</guid><description>&lt;p>&lt;strong>In den letzten Dekaden wurde ein noch nie dagewesener Anstieg in der Anzahl jährlich veröffentlichter Forschungsartikel verzeichnet. Evidenz in Form von wissenschaftlichen Veröffentlichungen wächst nahezu exponentiell an, wobei täglich Petabytes an Forschungsergebnissen produziert werden. Allein in der Biomedizin werden jedes Jahr mehr als eine Million peer-review Artikel veröffentlicht.&lt;/strong>&lt;/p>
&lt;p>In einem jüngst erschienenen &lt;strong>Viewpoint&lt;/strong> in &lt;a href="https://ebmh.bmj.com/content/early/2022/07/19/ebmental-2022-300509" target="_blank">BMJ Evidence-based Mental Health↗&lt;/a> argumentieren Cuijpers, Miguel, Papola, Harrer und Karyotaki dass die Meta-Analyse, ein weit verbreitetes statistisches Verfahren zur Synthese der Ergebnisse vieler Studien, ein &amp;ldquo;Upgrade&amp;rdquo; benötigt, um mit der Geschwindigkeit wissenschaftlicher Produktion Schritt zu halten. Sie schlagen das Konzept der &amp;ldquo;Meta-Analytic Research Domain&amp;rdquo; (MARD) vor.&lt;/p>
&lt;blockquote>
&lt;p>MARDs sind lebendige Datenbanken für einen gesamten Forschungsbereich. MARDs sind so kuratiert, dass eine schnelle, umfassende und hochwertige Evidenzsynthese ermöglicht wird. Im Gegensatz zu herkömmlichen systematischen Übersichtsarbeiten und Meta-Analysen konzentrieren sich MARDs nicht auf eine bestimmte Population, Intervention, einen Komparator oder Outcome (PICO), sondern auf ein ganzes Forschungsgebiet, das zu breit ist, um von einer einzigen Meta-Analyse abgedeckt zu werden.&lt;/p>
&lt;/blockquote>
&lt;p>MARDs sind zwar ressourcenintensiv und benötigen Zeit für ihre Entwicklung, haben aber auch &lt;strong>beträchtliche Vorteile&lt;/strong>:&lt;/p>
&lt;ul>
&lt;li>
&lt;p>&lt;strong>Reduktion von &amp;ldquo;Research Waste&amp;rdquo;&lt;/strong>. Im biomedizinischen Bereich wird regelmäßig eine große Menge an redundanter, irreführender und verzerrter Forschung produziert (&lt;a href="https://www.thelancet.com/pdfs/journals/lancet/PIIS0140-6736%2813%2962329-6.pdf" target="_blank" rel="noopener">MacLeod et al., 2014&lt;/a>). Dies ist auch in der Psychotherapieforschung der Fall (&lt;a href="https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0005796719301652" target="_blank" rel="noopener">Cristea &amp;amp; Naudet, 2019&lt;/a>). Durch die Zentralisierung aller verfügbaren Evidenz kann unnötige Arbeit vermieden werden. Transparente und einheitliche Standards können zu vertrauenswürdigeren Ergebnissen führen.&lt;/p>
&lt;/li>
&lt;li>
&lt;p>&lt;strong>Evidence-Mapping&lt;/strong>. MARDs bieten einen Überblick über Einschränkungen und Wissenslücken und ermöglichen es, sich abzeichnende Trends auf dem Gebiet zu erkennen.&lt;/p>
&lt;/li>
&lt;li>
&lt;p>&lt;strong>Meta-Research (&amp;ldquo;Forschung über Forschung&amp;rdquo;)&lt;/strong>. MARDs ermöglichen es, die Methoden und Forschungspraktiken eines ganzen Forschungsbereichs zu untersuchen und festzustellen, wie diese sich im Laufe der Zeit verändert haben.&lt;/p>
&lt;/li>
&lt;li>
&lt;p>&lt;strong>Stakeholder außerhalb der wissenschaftlichen Community&lt;/strong>. MARDs ermöglich es, &amp;ldquo;just-in-time&amp;rdquo; Nachweise für bestimmte Forschungsfragen zu generieren. Dies kann z. B. von Entwicklern von Behandlungsrichtlinien oder Klinikern genutzt werden, um einen Überblick über die aktuelle Evidenz zu erhalten.&lt;/p>
&lt;/li>
&lt;li>
&lt;p>&lt;strong>Open Science&lt;/strong>. MARDs stellen Daten in einer transparenten, zugänglichen und interoperablen Weise zur Verfügung. Dies ermöglicht es anderen Mitgliedern der wissenschaftlichen Community, die bereitgestellten Informationen weiterzuverwenden oder umzunutzen.&lt;/p>
&lt;/li>
&lt;/ul>
&lt;p>
&lt;figure >
&lt;div class="d-flex justify-content-center">
&lt;div class="w-100" >&lt;img alt="Metapsy" srcset="
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&lt;/div>&lt;/figure>
&lt;/p>
&lt;p>&lt;em>Kernmerkmale einer Meta-Analytic Research Domain (MARD).&lt;/em>&lt;/p>
&lt;br>
&lt;br>
&lt;h2 id="metapsy-mards-für-psychologische-interventionen-bei-psychischen-störungen">Metapsy: MARDs für psychologische Interventionen bei psychischen Störungen&lt;/h2>
&lt;br>
&lt;p>Ein Beispiel für ein Forschungsprojekt zur Entwicklung von MARDs ist &lt;a href="https://www.metapsy.org">Metapsy&lt;/a>. Ziel dieses Projekts ist es, den Zugang zu meta-analytischen Datenbanken klinischer Studien zu ermöglichen, die die Wirkung psychologischer Interventionen (z. B. Psychotherapie, präventive Interventionen, Psychoedukation) auf verschiedene psychische Störungen oder psychische Gesundheitsprobleme untersuchen.&lt;/p>
&lt;p>Metapsy schafft einen &lt;strong>einheitlichen Rahmen&lt;/strong> für alle verfügbaren meta-analytischen Daten über verschiedene Indikationen und Bereiche psychischer Gesundheit hinweg. Alle Datenbanken werden (1) von universitären Forschungsteams unter Verwendung modernster Methoden erstellt; (2) regelmäßig, mindestens einmal pro Jahr, aktualisiert; (3) unter Verwendung eines identischen und transparenten Kodierungsschemas formatiert; (4) erhalten eine umfassende Dokumentation und Metadaten, einschließlich Versionierung und dauerhafte Datenkennungen (DOIs), gemäß den &lt;a href="https://www.go-fair.org/fair-principles/" target="_blank" rel="noopener">FAIR-Prinzipien&lt;/a>; und werden (5) über Daten-Repositories öffentlich zugänglich gemacht.&lt;/p>
&lt;p>Forscher können auch leicht auf die Datenbanken zugreifen, indem sie das dafür vorgesehene R-Paket &lt;a href="https://data.metapsy.org/" target="_blank" rel="noopener">metapsyData&lt;/a> verwenden, und die Daten können mit passenden meta-analytischen Methoden analysiert werden; entweder mit dem R-Paket &lt;a href="https://data.metapsy.org/" target="_blank" rel="noopener">metapsyTools&lt;/a> oder mit einem Online-Meta-Analyse-Tool.&lt;/p>
&lt;p>&lt;strong>Weitere Informationen finden Sie auf der &lt;a href="https://www.metapsy.org/" target="_blank" rel="noopener">Metapsy Homepage↗&lt;/a>.&lt;/strong>&lt;/p>
&lt;br>
&lt;h3 id="referenzen">Referenzen&lt;/h3>
&lt;p>&lt;strong>Cristea, I. A.&lt;/strong> &amp;amp; Naudet, F. (2019). Increase value and reduce waste in research on psychological therapies. &lt;em>Behaviour Research and Therapy, 123&lt;/em>, 103479.&lt;/p>
&lt;p>&lt;strong>Cuijpers, P.&lt;/strong>, Miguel, C., Papola, D., Harrer, M., and Karyotaki, E. (2022) From living systematic reviews to meta-analytical research domains. &lt;em>Evidence-Based Mental Health&lt;/em> doi: 10.1136/ebmental-2022-300509.&lt;/p>
&lt;p>&lt;strong>MacLeod, M. R.&lt;/strong>, Michie, S., Roberts, I., Dirnagl, U., Chalmers, I., Ioannidis, J. P., &amp;hellip; &amp;amp; Glasziou, P. (2014). Biomedical research: increasing value, reducing waste. &lt;em>The Lancet&lt;/em>, 383(9912), 101-104.&lt;/p>
&lt;br></description></item><item><title>Neue Studie zeigt begrenzte Effekte wenn psychische Erkrankungen nur mit Smartphone Apps behandelt werden</title><link>https://www.protectlab.org/post/apps-meta-analysis/</link><pubDate>Wed, 11 Dec 2019 00:00:00 +0000</pubDate><guid>https://www.protectlab.org/post/apps-meta-analysis/</guid><description>&lt;p>&lt;strong>Das Digitale Versorgungsgesetz ermöglicht ab nächstem Jahr, dass Apps auf Rezept verschrieben werden können. Auch in den App-Stores steigt die Zahl an verfügbaren Apps für psychische Gesundheit stetig. Prinzipiell könnten Apps eine niedrigschwellige, anonyme, zeit- und ortsunabhängige und kosteneffektive Ergänzung zu traditionellen Behandlungsmöglichkeiten für psychische Gesundheit sein, jedoch ist die Wirksamkeit bisher weitestgehend unklar.&lt;/strong>&lt;/p>
&lt;p>In einer neu erschienenen systematischen Übersichtsarbeit untersuchte Kiona Weisel vom PROTECT Lab et al., die Wirksamkeit von Smartphone Apps als eigenständige Behandlungsmaßnahme zur Verbesserung der psychischen Gesundheit. Die Meta-Analyse umfasste randomisiert-kontrollierte Studien, die Apps zur Behandlung von erwachsenen mit erhöhten Symptomen einer psychischen Störung im Vergleich zu einer Kontrollgruppe untersuchten. Insgesamt wurden 19 Studien mit 3681 Teilnehmenden gefunden mit Apps zur Verbesserung von Depression, Angststörung, Alkoholkonsum, Rauchen, posttraumatischer Belastungsstörung, Schlafstörung und selbstverletzenden Gedanken und Verhalten.&lt;/p>
&lt;p>Die Ergebnisse zeigten, dass Smartphone Apps nur kleine Effekte auf Depression und Rauchverhalten hatten, wohingegen es keine Effekte auf Angst, selbstverletzenden Gedanken und Verhalten und Alkoholkonsum gab. Auch einzelne Studien mit Apps zu Posttraumatischer Belastungsstörung waren nicht effektiv, während große Effekte in zwei Einzelstudien auf Schlafprobleme gefunden wurden.&lt;/p>
&lt;p>Apps haben zwar enormes Potential, aber die momentane Studienlage ist ernüchternd. Die Vorgehensweise ist dabei grundsätzlich zu unterscheiden zu web-basierten Behandlungsformaten zu psychischen Erkrankungen, für die zahlreiche Studien zeigen, dass diese große Effekte bei verschiedensten psychische Erkrankungen erzielen können, die vielfach sogar vergleichbar sind, mit denen klassischer Angebote des Gesundheitssystems, wie Psychopharmaka oder Psychotherapie.&lt;/p>
&lt;p>Das Fazit: Smartphone Apps können als alleinstehende Behandlung von psychischen Störungen auf Basis der aktuellen Studienlage nicht empfohlen werden. Wenn Betroffene sich für digitale Versorgungsangebote interessieren, sollten Sie auf gut untersuchte web-basierte Angebote zurückgreifen.&lt;/p>
&lt;p>&lt;a href="https://www.nature.com/articles/s41746-019-0188-8" target="_blank" rel="noopener">Link zum Artikel&lt;/a>&lt;/p></description></item><item><title>Special Issue publiziert: WHO World Mental Health International College Student Initiative</title><link>https://www.protectlab.org/post/special-issue/</link><pubDate>Sat, 08 Jun 2019 00:00:00 +0000</pubDate><guid>https://www.protectlab.org/post/special-issue/</guid><description>&lt;p>Jüngst wurde im renommierten &lt;em>International Journal of Methods in Psychiatric Research&lt;/em> eine Special Issue zum Thema der &lt;strong>WHO World Mental Health International College Student Initiative&lt;/strong> und deren Forschungsergebnisse publiziert. Mitarbeiter*innen des Protect Lab haben maßgeblich zu dieser Ausgabe beigetragen - mit insgesamt vier Studien in Erstautorenschaft und weiteren 5 Artikeln mit Forscher*innen des Protect Lab als Koautor:&lt;/p>
&lt;ul>
&lt;li>Introduction to the special issue: The WHO World Mental Health International College Student (WMH‐ICS) initiative
The World Health Organization World Mental Health International College Student initiative: An overview&lt;/li>
&lt;li>Barriers of mental health treatment utilization among first‐year college students: First cross‐national results from the WHO World Mental Health International College Student Initiative&lt;/li>
&lt;li>Internet interventions for mental health in university students: A systematic review and meta‐analysis&lt;/li>
&lt;li>Increasing intentions to use mental health services among university students. Results of a pilot randomized controlled trial within the World Health Organization&amp;rsquo;s World Mental Health International College Student Initiative&lt;/li>
&lt;li>Mental disorder comorbidity and suicidal thoughts and behaviors in the World Health Organization World Mental Health Surveys International College Student initiative&lt;/li>
&lt;li>The role impairment associated with mental disorder risk profiles in the WHO World Mental Health International College Student Initiative&lt;/li>
&lt;li>Efficacy of an unguided internet‐based self‐help intervention for social anxiety disorder in university students: A randomized controlled trial&lt;/li>
&lt;li>Lifetime and 12‐month treatment for mental disorders and suicidal thoughts and behaviors among first year college students&lt;/li>
&lt;/ul>
&lt;p>Die gesamte Special Issue ist offen einsehbar unter diesem &lt;a href="https://onlinelibrary.wiley.com/toc/15570657/2019/28/2" target="_blank" rel="noopener">Link&lt;/a>.&lt;/p></description></item><item><title>Hatte Eysenck Recht?</title><link>https://www.protectlab.org/post/eysenck/</link><pubDate>Sun, 11 Nov 2018 00:00:00 +0000</pubDate><guid>https://www.protectlab.org/post/eysenck/</guid><description>&lt;p>Vor 65 Jahren erregte der deutsch-britische Psychologe &lt;a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_J%C3%BCrgen_Eysenck" target="_blank" rel="noopener">Hans-Jürgen Eysenck&lt;/a> (1916-1997) großes Aufsehen mit einem Aufsatz, in dem er die &lt;a href="http://psycnet.apa.org/record/1953-05921-001" target="_blank" rel="noopener">Wirksamkeit von Psychotherapie als solcher in Frage stellte&lt;/a>. Patienten, so Eysenck, gehe es auch ohne Behandlung oftmals nach einiger Zeit wieder besser - der Psychotherapie wird also eine heilende Wirkung zugeschrieben, die gar nicht durch diese verursacht wird. Kurzum: &lt;strong>Psychotherapie sei wirkungslos, verhindere sogar in manchen Fällen eine Verbesserung&lt;/strong>.&lt;/p>
&lt;p> &lt;/p>
&lt;h2 id="psychotherapie-gilt-allgemein-als-wirksames-verfahren">Psychotherapie gilt allgemein als wirksames Verfahren&lt;/h2>
&lt;p>Durch die Entwicklung der &lt;strong>randomisiert-kontrollierten Studie&lt;/strong>, in der therapierte Patienten mit einer unbehandelten Kontrollgruppe verglichen werden, sowie durch die &lt;strong>Meta-Analyse&lt;/strong>, in der viele Studien mathematisch zusammengefasst betrachtet werden, wurde versucht, diesem Vorwurf Eysencks nachzugehen. Seither stellte sich auf Basis dieser Ergebnisse in der Psychotherapieforschung die gefühlte Sicherheit ein, dass Psychotherapie im Gegensatz zu Eysencks Vorwurf tatsächlich wirksam ist, da ein sehr hoher Rückgang beispielsweise depressiver Symptome in den behandelten im Vergleich zu unbehandelten Gruppen gefunden wurde.&lt;/p>
&lt;p> &lt;/p>
&lt;h2 id="ist-eysencks-einschätzung-vielleicht-doch-richtig">Ist Eysencks Einschätzung vielleicht doch richtig?&lt;/h2>
&lt;p>Ein Paper von &lt;a href="https://www.cambridge.org/core/journals/epidemiology-and-psychiatric-sciences/article/was-eysenck-right-after-all-a-reassessment-of-the-effects-of-psychotherapy-for-adult-depression/AD6D7EDCBA894C295E67503570BF8957" target="_blank" rel="noopener">Cuijpers, Karyotaki, Reijnders und Ebert&lt;/a> (2018) dämpft diesen Enthusiasmus über meta-analytische Befunde zur Wirksamkeit von Psychotherapie bei Depression und geht auf die Frage ein, ob Eysenck doch Recht gehabt haben könnte. Die Autoren gehen insbesondere darauf ein, dass ein Großteil der Studien zur Wirksamkeit von Psychotherapie bei Depression durch so genannten &lt;strong>Bias&lt;/strong>, also systematische Fehler oder Beeinflussungen bei der Untersuchung in randomisiert-kontrollierten Studien belastet sind, die die Wirksamkeit von Psychotherapie in einem weit besseren Licht erscheinen lassen, als dies eigentlich der Fall ist.&lt;/p>
&lt;p>Bias kann durch vielerlei Faktoren entstehen. Wenn neue Medikamente entwickelt und beurteilt werden, werden diese meistens mit einem &lt;strong>Placebo&lt;/strong> verglichen: Patienten wissen also nicht, ob ihnen eine Pille mit oder ohne Wirkstoff verschrieben wird. Oftmals findet man hierbei auch einen &lt;strong>Placebo-Effekt&lt;/strong>: alleine dadurch, dass Patienten glauben ein vermeintlich wirksames Medikament einzunehmen, verbessern sich ihre Symptome, selbst wenn es sich um eine wirkungslose Zuckerpille handelt.&lt;/p>
&lt;p>Dieser Placebo-Effekt ist auch von besonderer Bedeutung für die Psychotherapieforschung: Patienten &lt;strong>wissen nämlich in Psychotherapiestudien ganz genau, ob sie die untersuchte therapeutische Behandlung erhalten, oder sich in der Kontrollbedingung befinden&lt;/strong>. Da Patienten in der Behandlungsbedingung die eine wirksame Behandlung erwarten, könnten sich allein durch diesen Placebo-Effekt ihre Symptome verbessern, ohne das die Behandlung als solche daran einen großen Anteil hat. Patienten in der Kontrollgruppe wissen hingegen, dass von ihnen keine wirkliche Verbesserung erwartet wird, was sich negativ auf die Verbesserung der Symptomatik auswirkt, da diese Patienten oftmals ihr Verhalten nicht verändern, bis sie nach der Studie selbst die Behandlung bekommen. Dies ist nur einer von vielen Arten von Bias, die dazu führen, &lt;strong>dass Psychotherapie eine viel höhere Wirksamkeit zugeschrieben wird, als dies eigentlich der Fall ist&lt;/strong>.&lt;/p>
&lt;p> &lt;/p>
&lt;h2 id="befunde">Befunde&lt;/h2>
&lt;p>In der Studie von Cuijpers und Kollegen wurde daher versucht zu analysieren, wie die Wirksamkeit von Psychotherapie bei Depression zurückgeht, wenn auf alle Arten von Bias kontrolliert wird. Es zeigte sich, dass für alle Arten von Psychotherapie die Effektivität stark abnimmt. &lt;strong>Die Wirksamkeit von Therapie für Depression wurde also lange Zeit überschätzt&lt;/strong>. Es zeigte sich aber, das trotz der Kontrolle aller systematischen Fehler Verfahren der kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) immer noch signifikante Ergebnisse erbringen, also als wirksam einzustufen sind. Für psychodynamische Verfahren war dies nicht der Fall, obwohl in solchen Studien nicht einmal für alle Bias-Arten kontrolliert werden kann. Für andere Verfahren, wie Interpersonelle Therapie, gab es zu wenig Studien um genaue Aussagen zu machen.&lt;/p>
&lt;p>Diese Analyse zeigt, dass &lt;strong>Eysencks Verdikt&lt;/strong>, wenn auch wahrscheinlich falsch für besonders gut empirisch fundierte Verfahren, &lt;strong>sehr ernst genommen werden muss&lt;/strong>. Mehr Genauigkeit und präzisere Forschungsmethoden sind nötig, um die Wirksamkeit von Psychotherapieverfahren wirklich sicherzustellen.&lt;/p></description></item><item><title>Dr. David Ebert erhält Habilitationspreis der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg</title><link>https://www.protectlab.org/post/habilitation-prize-ebert/</link><pubDate>Tue, 30 Oct 2018 00:00:00 +0000</pubDate><guid>https://www.protectlab.org/post/habilitation-prize-ebert/</guid><description>&lt;p>Die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg hat Dr. David Ebert in Anerkennung seiner herausragenden wissenschaftlichen Leistungen ihren Habilitationspreis für das Jahr 2018 verliehen.&lt;/p>
&lt;p>Gewürdigt wird Eberts Habilitationsschrift &lt;strong>&amp;ldquo;Digitale diagnostische Instrumente und psychologische Interventionen&amp;rdquo;&lt;/strong>. Die Arbeit fokussiert auf die Evaluation der Wirksamkeit, Kosteneffektivität, Mechanismen und Moderatoren des Therapieerfolges digitaler Gesundheitsinterventionen zu Förderung der Gesundheit.&lt;/p>
&lt;p>&lt;a href="post/habilitation-prize-ebert/habil_ebert.pdf">Mehr lesen&lt;/a>&lt;/p></description></item><item><title>Wenn Schwierigkeiten und Schmerzen die schönste Nebensache der Welt zur Qual machen</title><link>https://www.protectlab.org/post/paivina-care/</link><pubDate>Mon, 08 Oct 2018 00:00:00 +0000</pubDate><guid>https://www.protectlab.org/post/paivina-care/</guid><description>&lt;p>Stellen Sie sich vor: Sie wünschen sich, mit ihrem Partner zu schlafen, aber es klappt nicht – Schmerzen, die Unmöglichkeit, den Penis einzuführen, Ängste und Verkrampfungen machen es unmöglich, eine unbeschwerte Sexualität zu leben. In diesen Fällen offen über die eigenen sexuellen Schwierigkeiten zu sprechen fällt meistens schwer, sei es aus Scham- oder Schuldgefühlen oder weil die passende Ansprechpartner*in fehlt. Das liegt auch daran, dass Sexualität im Allgemeinen und sexuelle Schwierigkeiten im Speziellen immer noch zu den Tabuthemen in unserer Gesellschaft gehören. Wenn man sich dennoch überwunden hat und aktiv nach Hilfe sucht, fällt oftmals schnell auf: Behandlungsmöglichkeiten für diese Symptomatik sind kaum bis überhaupt nicht verfügbar. Da evidenzbasierte Therapieprogramme in der Versorgung fehlen, wissen Gynäkolog*innen nach Abklärung medizinisch-behandelbarer Ursachen häufig nicht, wie es in der Therapie weitergehen kann. Die Folgen sind: Hoffnungslosigkeit auf Seiten der Patientinnen, niemals eine Besserung ihrer Symptome zu erfahren und Versuche der Selbstbehandlung ohne Unterstützung, die häufig in Frustration enden, weil kein Unterstützungsangebot vorhanden ist.&lt;/p>
&lt;p>An dieser Stelle können Internet Interventionen einen niedrigschwelligen, anonymen, zeit- und ortsunabhängigen spezialisierten Zugang zu Therapie ermöglichen. Deshalb haben wir “Paivina-Care&amp;quot; - ein internetbasiertes begleitetes Behandlungsprogramm für die Genito-Pelvine Schmerz-Penetrationsstörung bei Frauen entwickelt, eine Diagnose, die durch Schwierigkeiten, Schmerzen, Verkrampfungen und/oder Ängste bei der vaginalen Penetration über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten charakterisiert ist. In diesem Artikel illustrieren wir detailliert den Behandlungsverlauf und das Potenzial der Intervention mit der Fallstudie einer Patientin, die das Programm erfolgreich durchlaufen hat. Die Ergebnisse zeigen, dass die Internet Intervention bei der vorgestellten Patientin sexualitätsbezogene Schmerzen, Ängste und negative Gedanken reduzieren und Geschlechtsverkehr ermöglichen konnte. Internetbasierte Behandlung zeigt somit Potenzial einen Beitrag zu leisten, die Versorgungslücke bei der Behandlung von Schmerz-Penetrationsstörungen zu schließen. In einem nächsten Schritt werten wir die randomisiert-kontrollierte Wartekontrollgruppenstudie mit 200 Frauen aus, um die Wirksamkeit des Programms nach Goldstandard zu untersuchen.&lt;/p>
&lt;p>&lt;a href="https://www.protectlab.org/post/paivina-care/gpsps.pdf">PDF Link&lt;/a>&lt;/p></description></item></channel></rss>